Die Aufnahme von Flüchtlingen an der Oberschule Weener

Flüchtlingsaufnahme in der Turnhalle Floorenstraße der Oberschule Weener ist die Schlagzeile des gestrigen Tages. Eine spannende Aufgabe für unsere Generation, zu zeigen, was sie gelernt hat, meint das Schulleitungsteam der Oberschule Weener.

Bekommen wir eine weitere Chance zu zeigen, dass wir dazu gelernt haben? Gelernt haben, dass wir das Fremde nicht ausgrenzen wollen? Bekommt eigentlich jede Generation diese Aufgabe, Fremde in ihrer Mitte zu integrieren und sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu stellen oder diese zu unterstützen?

In Deutschland 1933 bis 1945 haben wir diese Lernaufgabe nicht bewältigt, sondern von unseren Vorfahren wurden schlimme Taten begangen oder dabei zugeschaut. Damals waren die Juden die Fremden – mit ihrer fremden Religion. Heute kommt uns die jüdische Religion gar nicht mehr so fremd vor, denn in den Jahren seit 1945 haben wir sehr viel Informationen über das Judentum aufgenommen – z.B. über den Unterricht in unseren Schulen. Jetzt erscheint uns die jüdische Religion als Wurzel unserer Religion und nicht als etwas, dass es auszurotten gilt.

In den Jahren des Wiederaufbaus haben wir viele türkische und italienische Gastarbeiter aufgenommen und diese integriert, dann kam die Welle der deutsch-russischen Rückkehrer, jetzt sind es die Syrer und andere Nationalitäten, die mit dieser Flüchtlingsgruppe zu uns kommen. Jedes mal sind Probleme aufgetaucht, die im Wechselspiel zwischen Fremdenfreundlichkeit und Fremdenhass entstehen. Die Stellung Deutschlands als wirtschaftsstärkstes Land in Europa hat gezeigt, dass wir diese Herausforderung bislang sehr gut gemeistert haben. Diese Menschen, die zu uns gekommen sind, waren am Aufbau maßgeblich beteiligt und trotz einiger fremdenfeindlicher Stimmen haben die freundlichen Stimmen überwogen.

Und auch heute können wir neue Menschen gebrauchen, die sich in unsere Gesellschaft integrieren lassen und uns unterstützen. Denn die demographische Entwicklung zeigt ganz deutlich, dass wir junge Menschen brauchen, die die Arbeit erledigen, die liegen bleibt, weil wir zu wenig junge Menschen haben. Aber mit der Einreise ist das nicht getan. Wir brauchen auch die nötigen Strukturen, um diese Menschen unterzubringen und genug Platz in den Schulen und Volkshochschulen, damit sie schnell Deutsch lernen können und dann in unser Ausbildungssystem aufgenommen werden können.

Und wir haben es diesmal auch wieder mit der Integration einer anderen Religion zu tun. Jetzt ist es nicht das Judentum, diesmal geht es um den Muslimischen Glauben. Im Gegensatz zum Judentum stehen wir dem Islam noch unsicher gegenüber. Wissen über den Islam wird vermischt mit dem Verhalten fanatischer Islamanhänger und damit werden Anhänger Mohammeds verunglimpft. Das wäre genauso, wenn jeder Christ mit einem Nationalsozialisten aus der Zeit des Dritten Reiches verglichen würde. Genauso wenig wie der christliche Glaube am Verhalten der Nationalsozialisten aus dem christlichen Deutschland gemessen werden darf, sollte der Islam anhand des Verhaltens der radikalen-gewaltbereiten Islamisten gemessen werden.

Wir müssen jetzt zeigen, dass wir – als Nachfolgegeneration in der deutschen Gesellschaft – uns weiterentwickelt haben. Wir zeigen, dass wir gelernt haben, fremde Menschen mit fremder Religion kennen lernen zu wollen. Aus Fremden werden Freunde. Das ist schon so tausendfach mit früheren Feinden passiert (z.B. in der Deutsch-Französischen Freundschaft) und das ist auch heute wieder möglich, wenn wir bereit sind, von den Fremden zu lernen und diese von uns lernen wollen. Wenn Menschen sich weiterentwickeln können, auch aufgrund der Bildung, die sie erhalten haben, dann sollten wir jetzt in der Lage sein, freundlich und aufgeschlossen gegenüber den Neuankömmlingen zu sein. Wir können ihnen Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft signalisieren, auch wenn es für uns mit Einschränkungen verbunden ist.

Die Schüler der Oberschule Weener werden diese Einschränkung jetzt als eine der ersten Gruppen in unserer Gesellschaft im Landkreis Leer spüren. Sie müssen auf ihre Sporthalle in der Floorenstraße und damit auf einen Teil ihres Sportunterrichts verzichten, weil dort die Flüchtlinge vorläufig untergebracht werden. Das Thema „Rassismus – wie gehen wir mit dem Fremden, den Andersartigen um“ – ist im letzten Schuljahr viel diskutiert worden. Das war die Theorie – jetzt kommt die Praxis. Bestehen wir den Praxistest? Treten wir dafür ein, dass wir den Fremden freundlich und mit einem Willkommensgruß entgegen gehen. Sagen wir deutlich „Nein!“ gegen fremdenfeindliche Aussagen, wenn wir damit in Berührung kommen.

Für das Schulleitungsteam der Oberschule Weener – Anke Buntjer