Konzeption der Praxisklasse

„Im Sinne eines individualisierten Berufsorientierungsprozesses der Schülerinnen und Schüler gestaltet die Schule den zeitlichen Rahmen des Praktikums und die Verwendung der Praxistage flexibel.“ 1

  1. Was ist die Praxisklasse?

Die Praxisklasse ist eine Projektklasse, die in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft an der OBS Weener durchgeführt wird. Das Projekt heißt „Berufseinstiegsbegleitung“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

An der Oberschule Weener läuft dieses Projekt unterrichtsbegleitend ab, d.h. die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse besuchen in den Jahrgängen 8 und 9 drei Tage mit verkürzter Stundentafel die Schule und sammeln zwei Tage pro Woche in wechselnden Betrieben berufspraktische Erfahrungen.

 

  1. Zielsetzungen

„Die Berufseinstiegsbegleitung richtet sich an Schüler/innen, die einen Hauptschul- oder

Förderschulabschluss anstreben und anschließend eine Ausbildung, auf diesem Weg aber

besondere/ zusätzliche Unterstützung benötigen.“ 2

Das oberste Ziel für uns als Schule ist das Erreichen des Haupt- oder Förderschulabschlusses durch die Schülerinnen und Schüler. Parallel dazu soll durch die verpflichtenden Praktika eine berufliche Orientierung und eine Förderung der Ausbildungsreife erreicht werden.

Diesen beiden vorgelagerten Zielen folgt letztendlich das dritte Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler erfolgreich den Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung bewältigen und dauerhaft beruflich eingegliedert sind.

 

  1. Teilnehmer

Bereits im siebten Schuljahrgang nehmen der/die Berufsbegleiter/in Kontakt zu den Klassenlehrern auf, um den Teilnehmerkreis einzugrenzen. Dabei werden folgende Faktoren im Sinne des individuellen Förderbedarfes in Rücksprache mit dem zuständige Berufsberater/in bzw. Berater/in Reha/SB berücksichtigt:

– Schulische Leistungen und Grad der Gefährdung beim Erreichen des Haupt- oder

   Förderschulabschluss (Rücksprache Klassenlehrkräfte, Eltern)

– die Lernrückstände in den Grundfächern sowie Sprach – und Integrationshemmnisse

– die Ergebnisse der Potenzialanalyse

1 Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Berufs- und Studienorientierung – Musterkonzept mit Handreichungen, 2017, S. 8

2 https://www.bildungsketten.de/berufseinstiegsbegleitung vom 27.11.2017

Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig. Es muss bereits bei der Abstimmung zur Feststellung der Förderbedürftigkeit der jeweiligen Schüler/innen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten für die Datenübermittlung vorliegen.

 

  1. Die Aufgaben der begleitenden Akteure

4.1 Der Berufseinstiegsbegleiter/die Berufseinstiegsbegleiterin

Die Arbeit des Berufseinstiegsbegleiters/der Berufseinstiegsbegleiterin (kurz BerEb) beginnt am Ende des 7. Schuljahrgangs beim Auswahlverfahren. Er/ sie trifft Absprachen mit Klassenlehrern und wenn nötig, auch mit der Schulsozialarbeiterin oder der Berufsberaterin, über den möglichen Teilnehmerkreis. Idealerweise findet bereits zu diesem Zeitpunkt ein informativer Elternabend statt. Sie ist die wichtigste Person bei der Begleitung des Überganges von Schule in eine Ausbildung. Mit Blick auf die in Punkt 2 genannten Ziele arbeitet er/sie eng mit der Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit und den Lehrkräften zusammen. Dabei gilt es beim individuellen Förderbedarf der Teilnehmer (z.B. praxisbezogene Grundfertigkeiten im Praktikum zu erfahren oder Unterstützung/Hilfe im Bewerbungsverfahren zu bekommen) anzusetzen und durch zielgerichtete Unterstützungsangebote den Übergang in den Beruf zu erreichen.

 

4.2 Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin

Es ist unabdingbar, dass alle Lehrkräfte einer Schule an der Berufsorientierung mitwirken. Im

Konzept der Praxisklasse gibt es einen Klassenlehrer/eine Klassenlehrerin, der/die durch viele

Unterrichtsstunden einen starken Stellenwert in der Lerngruppe hat.

Im Unterricht werden neben den Curricula folgende Schwerpunkte gesetzt:

– Soziale Kompetenzen

– Verhalten in der Arbeitswelt

– Konfliktmanagement

– Verknüpfung schulischer Anforderungen mit den geforderten Voraussetzungen in den

   Betrieben

– Erstellen von Praxisberichten

– Erstellen von Lebensläufen und Bewerbungen

Die Praxisklasse baut auf eine enge Kooperation zwischen Lehrkraft und BerEb. Im Vordergrund steht dabei der Austausch über den Entwicklungsfortschritt im Sinne der individuellen Lernentwicklung. Dazu gehört auch der Kontakt mit Betrieben, Einrichtungen und Ausbildern. Deswegen sind gemeinsame Besuche, ähnlich der Praktikumsbetreuung im Schülerbetriebspraktikum, zwingend erforderlich.

 

4.3 Der Berufsberater/die Berufsberaterin bzw. Berater/in Reha/SB

Es ist die Aufgabe des BerEb sich regelmäßig, wenn möglich zusammen mit dem

Klassenlehrer/der Klassenlehrerin, über den Entwicklungsfortschritt der Teilnehmer mit der

Berufsberaterin oder dem Berater Reha auszutauschen. Ebenso werden, wenn möglich im

Dreierteam, beratende Elterngespräche geführt.

 

  1. Organisatorische Umsetzung

Die Schulwoche in der Praxisklasse setzt sich aus drei Tagen Schulunterricht und zwei Tagen Praxis in einem Betrieb oder einer Einrichtung zusammen. Begründet ist dieses durch das „Musterkonzept zur Berufs- und Studienorientierung“: „Intensiv-Praktika für unterstützungsbedürftige Schülerinnen und Schüler sollten über ein halbes Jahr mit zwei Tagen pro Woche ermöglicht werden.“ 3 Diesen Zeitraumen dehnen wir auf zwei volle Schuljahre aus, in denen es idealerweise Praktikumszeiträume von sechs bis acht Wochen gibt.

Während in der 8. Klasse die Praktika zur beruflichen Orientierung dienen, sollten sie in Klasse 9 zur Festigung des Berufswunsches und möglicherweise auch zu einer festen Ausbildungsmöglichkeit führen. Während dieses Zeitraumes wird das Praktikum durch den BerEb und den Klassenlehrer/die Klassenlehrerin betreut. Das wöchentliche Praktikum verlangt von den Schülerinnen und Schülern den Einsatz gelernter Schlüsselqualifikationen über einen längeren Zeitraum und gibt den Betrieben die Möglichkeit, sich einen umfänglichen Eindruck von ihren Praktikanten zu verschaffen. Diese Vorgehensweise hat schon zu zahlreichen vermittelten Ausbildungsplätzen geführt.

 

  1. Förderdauer

Die Teilnahme an der Praxisklasse beginnt in der Regel im Vorabschlussjahr und endet im Idealfall mit dem Schulabschluss. Die Betreuung durch den BerEb wird ja nach Einzelfall ein halbes Jahr oder länger fortgesetzt.

Droht ein vorzeitiger Abbruch des Projektes, entscheidet die Berufsberaterin bzw. der Berater

Reha in Abstimmung mit dem Berufseinstiegsbegleiter und der Lehrkraft über die vorzeitige

Beendigung der Maßnahme. In diesem Fall kann es im Rahmen einer Klassenkonferenz zu einer Rückführung in die Parallelklasse kommen.

3 Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Berufs- und Studienorientierung – Musterkonzept mit Handreichungen,

2017, S. 7