Andere Verhaltensweisen verstehen lernen (OZ vom 20.09.2018)

Bürgermeister Ludwig Sonnenberg (links) empfing die polnischen Schüler und ihre Lehrkräfte am Dienstag im Rathaus der Stadt Weener. Begleitet wurde die Gruppe vom Direktor der Oberschule, Dirk Kaiser (rechts), und Lehrerin Sabrina Koetsier. (Zweite von links).

Noch bis zum kommenden Sonntag leben 26 Kinder und vier Lehrkräfte aus Polen in 22 Gastfamilien von Weeneraner Oberschülern. »Die Schüler verständigen sich auf Englisch und mit Händen und Füßen«, sagt Lehrerin Sabrina Koetsier.

Von Holger Szyska
WEENER. Teilweise sprechen die Austauschschüler aus der rund 60 Kilometer vor Warschau gelegenen Gemeinde Rybno auch Deutsch. »Aber Deutsch wird nur in zwei Unterrichtsstunden pro Woche gegeben«, weiß Koetsier, dass die Sprachkenntnisse überschaubar sind. Dennoch hält der Schüleraustausch der Oberschule Weener mit ihrer Partnerschule in Rybno schon seit 1994. Den Wert dieser Völkerverständigung im Kleinen hebt Schuldirektor Dirk Kaiser hervor: »Angesichts der Entwicklungen der heutigen Zeit« sei es wichtiger denn je, »andere Länder zu verstehen, um friedlich miteinander leben zu können«. Dieser Ansatz passe auch zur Kampagne »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«, an der sich die Oberschule beteiligt: »Es geht darum, Verhaltensweisen zu verstehen und nicht gleich zu verurteilen.« Nicht zuletzt würden die Schüler durch die Auseinandersetzung mit Kindern aus anderen Ländern und Fahrten dorthin selbständiger werden. »Sie können sich ohne Eltern erproben und repräsentieren dabei ihr Land«, so Kaiser. »Diesen Vorteil versuchen wir, durch viele Austausche zu nutzen«, verweist der Schulleiter darauf, dass auch Partnerschaften mit Schulen im französischen Les Pieux und im niederländischen Wommels gepflegt werden.

Zum Programm der Gastschüler aus Rybno gehörten am Dienstag eine Stadtrallye durch Weener und ein Empfang bei Bürgermeister Ludwig Sonnenberg im Rathaus sowie kreative Workshops in der Oberschule an der Floorenstraße. Wie berichtet, wurden in einer Druckwerkstatt mit Ingo Heintzen kreative Plakate erzeugt und in einem Keramik-Kurs mit Margot Austermann Tongefäße hergestellt. Auch ein Theater-Seminar mit Helga Plenter sowie ein Musik-Workshop mit Gerd Zimmermann und Matthias Grabe wurden angeboten.
Gestern folgten eine Fahrt zum Erlebnismuseum »Universum« in Bremen und eine anschließende Stadtbesichtigung. Heute steht eine Wattwanderung zur Insel Baltrum auf dem Plan. Am
Freitag sind eine Besichtigung der Meyer Werft und ein Rundgang durch Papenburg sowie am Abend eine Schuldisco vorgesehen. Die Freizeitgestaltung am Samstag bleibt den Gastfamilien vorbehalten. Möglich ist das vielfältige Programm dank der Unterstützung durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW).

Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 20.09.2018 (http://oz-online.de/)