Premiere für Praktikum im Nachbarland (RZ vom 06.02.2018)

Die Brüder Luc (links) und Leon Delger aus Möhlenwarf haben ein einwöchiges Praktikum in niederländischen Betrieben absolviert und dort auch in Gastfamilien gelebt. Sabrina Koetsier (Mitte) von der Oberschule Weener hat das Projekt koordiniert. Die Lehrerin hofft, dass sich nun weitere Schüler ein solches Auslandspraktikum zutrauen.

Zwei Weeneraner Oberschüler lernten eine Woche lang niederländische Betriebe kennen.

Die Brüder Luc und Leon Delger aus Möhlenwarf lebten während ihres Praktikums in Gastfamilien. Lehrerin Sabrina Koetsier hofft, dass sich nun weitere Schüler ein solches Auslandspraktikum zutrauen.
Von Holger Szyska

WEENER/SNEEK. Es war eine Premiere. Nachdem fünf Schüler aus den Niederlanden im vergangenen Jahr ein Praktikum in Firmen im Rheiderland absolviert und hier auch in Gastfamilien gelebt hatten, gingen nun die ersten beiden Weeneraner Oberschüler den umgekehrten Weg. Eine Woche lang, freiwillig auch in den zweitägigen Zeugnisferien, lernten der 13-jährige Luc und der 15-jährige Leon niederländische Betriebe aus nächster Nähe kennen. Das Projekt hat sich aus der Partnerschaft der Oberschule Weener mit dem Bogerman College in Sneek bei Leeuwarden entwickelt. »Eine niederländische Kollegin hat die Betriebe und Gastfamilien ausgesucht«, erklärt Lehrerin Sabrina Koetsier, die das Projekt in Weener koordiniert.

Luc Delger war beim Service-Betrieb Jan Castelein in Scharnegoutum bei Sneek im Praktikum, einem Hersteller von Kuhställen, Milchrobotern und Stalleinrichtungen. Sein Bruder Leon war bei TMB de Jong im nahe gelegenen Wommels tätig. Der Metallverarbeitungsbetrieb ist als Zulieferer von Stahlteilen weltweit aktiv. In beiden Fällen fungierten der Firmeninhaber beziehungsweise der Betriebsleiter zugleich als Gastväter. Die beiden Jungs aus Möhlenwarf zogen jeweils eine positive Bilanz ihres einwöchigen Aufenthalts im Nachbarland. Luc durfte schweißen und flexen und beim Melken helfen. »Egal wo – ich wurde überall sofort akzeptiert«, zeigte sich der 13-Jährige im Gespräch mit der RZ begeistert. Leon gefiel vor allem der lockere Umgang mit den »netten und offenen« Arbeitskollegen. Beide würden ein solches Auslandspraktikum jederzeit wiederholen.
Weil ihr Vater selber Niederländer ist, haben die Delger-Brüder zwar einen persönlichen Bezug, sprechen aber kein Niederländisch. »Unser Vater spricht auf Niederländisch mit uns, wir antworten auf Deutsch«, erklärt Luc. Verstehen können sie die Sprache daher gut. Dennoch war es mutig, jeweils ganz allein ein Praktikum im Ausland zu absolvieren und dort auch in Gastfamilien zu leben, betont Sabrina Koetsier. »Ich bin stolz auf die Jungs, denn ich erlebe immer wieder ängstliche Schüler«, sagt die Lehrerin. Koetsier hofft, dass sich nun weitere Schüler ein solches Praktikum zutrauen. Sie unterstreicht: »Wer sich im Jugendalter traut, ins Ausland zu gehen und es positiv erlebt, wird als Erwachsener keine Ängste mehr haben. Je früher man anfängt, desto weniger ist man blockiert.« Die Projektbeteiligten würden flexibel auf individuelle Wünsche von Schülern eingehen, so Koetsier. Gefördert werden die Praktika vom Zweckverband »Ems Dollart Region« (EDR), der eine Aufwandsentschädigung zahlt, mit der zum Beispiel Fahrtkosten abgedeckt werden.

Quelle: Rheiderlandzeitung vom 06.02.2018 (http://rheiderland.de/)