Politikerpaten: Feuerwehr-Debatte wird zum »Störfeuer« (RZ vom 22.06.2017)

Die »Patenkinder« und ihre Paten, von links: Patin Hildegard Hinderks, Bürgermeister Ludwig Sonnenberg, im Hintergrund Dirk Kaiser, Leiter der Oberschule Weener, in der Bildmitte Pate Helmut Geuken, vierte von rechts Patin Johanne Pastoor, neben ihr Pate Gerrit Dreesmann und Lehrerin Katrin Daalmeyer von der Förderschule Weener.

Feuerwehrbedarfsplan für Stadt Weener schließlich mit einer Gegenstimme verabschiedet.
Es gibt Politiker, Politikerpaten und Politikpatenkinder in Weener. 22 Schülerinnen und Schülern wollte Bürgermeister Ludwig Sonnenberg am Dienstag ihre Zertifikate für die Teilnahme am Politikpaten-Projekt überreichen.
Von Michael Hoegen
WEENER. Nicht alle Jugendlichen waren da, und auch der Rat war nicht vollzählig im Saal des Hotels »Am Rathaus« vertreten. Dabei vermittelten die 26 Ratsmitglieder im Saal unter dem Strich betrachtet nicht gerade die beste Vorstellung von dem, was inhaltliche Arbeit in der Kommunalpolitik eigentlich ausmachen sollte. Auch wer nicht in die Debatte eingreift, beeinflusst sie. »Die meisten aktiven Politiker unseres Landes sind ehrenamtlich auf kommunaler Ebene tätig und opfern ihre Zeit«, so Bürgermeister Ludwig Sonnenberg. Dabei dürfen Jugendliche schon ab 16 auf kommunaler Ebene wählen – »sie wissen mit diesem Wahlrecht oft nichts anzufangen.« Sinn des Paten-Projektes, wobei fünf Ratsmitglieder die Patenrolle übernehmen, ist es, »Politik erlebbar und verständlich zu machen. «Dazu gehört für die Jugendlichen auch, in Ratssitzungen als Zuhörer dabei zu sein. Und was sie zu Beginn der letzten Sitzung des Stadtrates zu hören bekamen, dürfte nicht gerade dem nach wie vor aktuellen Trend der Politikverdrossenheit entgegengewirkt haben. Es ging um die Verabschiedung des Feuerwehrbedarfsplan. Die Politik war und ist sich eigentlich einig darüber, dass dieses Konzept nur zu begrüßen ist. Die Ausnahme bilden Ratsherr Dieter Weber (UWG), der nicht an der Ratssitzung teilnahm, und Heinrich-Friedrich Holtkamp, Ratsherr der Sozialen Fraktion. Für Einzelratsherr Holtkamp, »Fraktion« ist bei ihm nur ein Namensbestandteil, ist das 190 Seiten starke Konzept »ein zusammengerührter Quark«. Die Feuerwehr ist nach seiner Ansicht zu gut ausgestattet (»wir sind überrüstet«) und sollte zentralisiert werden. »Wer meint,dass wir sechs Feuerwehren haben müssen, der täuscht sich gewaltig.«

Mit seinen Redebeiträgen, die dem Fachgutachten für den Bedarfsplan deutlich widersprechen, sorgte Holtkamp für Kopfschütteln in den Reihen des Rates und einen wütenden Zwischenruf des früheren SPD-Ratsmitglieds Meint Peters, der die Sitzung ebenso wie gut ein Dutzend Feuerwehrleute mit Stadtbrandmeister Jörg Fisser an der Spitze als Zuhörer verfolgte. Die Stadt habe kaum Geld, so Holtkamp, und die Feuerwehr sei einfach zu teuer. »Die gesamte Stadt leidet unter dem, was wir unseren Feuerwehren versprechen.« Dem widersprach Bürgermeister Ludwig Sonnenberg. »Wir tragen die Verantwortung für Anschaffungen. Das hat nichts damit zu tun, was sich die Feuerwehr wünscht. Wir können froh sein, dass wir eine ehrenamtliche Feuerwehr haben«, verwies Sonnenberg auf die erheblichen Kosten einer Berufsfeuerwehr. Der CDU-Fraktionsvorsitzenden Hildegard Hinderks gingen Holtkamps Äußerungen zum Thema Feuerwehr erheblich zu weit. »Ich schäme mich, dass Sie zu unserem Rat gehören, ich finde das unverschämt«, wandte sich die Weenermoorerin direkt an Holtkamp. Auch Ratsfrau Hannelore Wloka-Schoon (Grüne) distanzierte sich von Holtkamps Äußerungen. »Wir dürfen diese Leistung der Feuerwehr nicht kleinreden.« Ratsherr Reinhard Schüür (CDU) stellte schließlich, wohl auch um weitere Redebeiträge von Heinrich-Friedrich Holtkamp zu vermeiden, einen Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Debatte. Der Rat stimmte dem zu und dann direkt über den Feuerwehrbedarfsplan ab, der bei einer Gegenstimme von Holtkamp auch mit deutlicher Mehrheit verabschiedet wurde. Ihre Zertifikate sollten nach Abschluss des achten Durchgangs des Politikerpaten-Projektes insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler bekommen, zwölf von ihnen besuchen die Förderschule in Weener, zehn die Oberschule Weener. Die Schüler, die nicht an der Ratssitzung teilnehmen konnten, bekommen ihre Zertifikate später. Betreut worden sind die Jugendlichen von ihren Paten Gerrit Dreesmann, Lutz Drewniok, Helmut Geuken, Hildegard Hinderks und Johanne Pastoor.

Quelle: Rheiderlandzeitung vom 22.06.2017 (http://rheiderland.de/)